Reprieve
Alles dicht
Schweißperlen standen unserem sonst so gelassenem Capitano auf der Stirn, als der blaue Kran Moya wieder ins Wasser setzte. Sobald der Kiel unserer Lady im Wasser war, kletterte Christian an Bord und stürzte in den Schiffsbauch. Er wollte sehen, ob Wasser ins Schiff gelangt. Die letzten Tage hatte er sowohl ein neues Seeventil für den Wassermacher als auch ein neues Wellenlager und neue Dichtringe für die Wellenbuchse eingebaut. Die Bilgefächer standen noch offen, um einen Wassereinbruch möglichst gleich zu sehen. Aber die Sorge war unbegründet, der Capitano hatte unter Sigis fachkundiger Anleitung prima Arbeit geleistet. Alles war dicht und auch die Welle drehte sich ohne Probleme, als wir die Maschine noch in den Kranschlingen testeten. Nach einer Woche auf dem Trockenen war Moya nun wieder im Wasser. Selbst für die Crew war das ein tolles Gefühl.
Bald ist Schluss
Mehr als Crew sind wir inzwischen tatsächlich nicht mehr. Unsere geliebte Lady hat einen neuen Besitzer bekommen. Noch fühlt es sich surreal an, dass wir unser zu Hause bald in andere Hände geben werden. Einige Wochen dürfen wir aber noch an Bord genießen und Moya nach Kroatien segeln, bevor dann das große Heulen kommt. Nach 5 Tagen gemeinsamer Zeit, vielen Fragen und Erkundung von jeder Ecke und jedem Schaltkreis an Bord können wir uns wenigstens sicher sein, dass sich ihre neuen Eigner mindestens so gut um unsere Lady kümmern werden, wie wir das getan haben. Das war uns wichtig, denn jedem würden wir Moya nicht anvertrauen. Trotzdem wird es verdammt schwer werden, das Leben als Landratten wieder aufzunehmen. Ganz ohne die Weite, das Meer, das sanfte, manchmal auch kräftige Schaukeln, die viele Zeit mit den Kleinen an der frischen Luft und den anderen Seglern - ich will noch gar nicht daran denken! Fürs Erste werde ich das noch Verdrängen, später ist noch Zeit genug, Moya zu vermissen. Nach den Wochen in denen wir an Bord gewerkelt haben, freue ich mich statt dessen total wieder in See zu stechen und eines der schönsten Reviere der Welt zu bereisen. Die Ägäis wartet.